Chili überwintern Sie am besten, indem Sie die Pflanze vor den ersten kalten Nächten unter 10 °C hereinholen, kräftig zurückschneiden und an einem hellen Platz bei 10 bis 15 °C mit wenig Wasser durch den Winter bringen. In der warmen Wohnung gelingt es ebenfalls, dann braucht die Pflanze aber deutlich mehr Licht, im Zweifel von einer Pflanzenlampe. Dieser Ratgeber zeigt Ihnen, welche Sorten sich lohnen, wie Sie richtig schneiden, gießen und beleuchten und was hilft, wenn im Winter Blätter fallen oder Läuse auftauchen.
Chili überwintern: das Wichtigste vorab
Chilis sind keine einjährigen Gemüsepflanzen, auch wenn sie bei uns meist so behandelt werden. Alle Paprika- und Chiliarten der Gattung Capsicum sind in ihrer Heimat in Mittel- und Südamerika mehrjährige Sträucher, die im Laufe der Jahre verholzen. Frost vertragen sie allerdings nicht, deshalb kommen sie in Deutschland nur im Haus über den Winter. Entscheidend sind wie bei allen Kübelpflanzen drei Faktoren, die zueinander passen müssen: Temperatur, Licht und Wasser. Je wärmer der Platz ist, desto mehr Licht braucht die Pflanze, und je kühler und dunkler sie steht, desto weniger Wasser verbraucht sie. Wie Sie empfindliche Pflanzen grundsätzlich vor Kälte bewahren, lesen Sie im Ratgeber Pflanzen vor Frost schützen.
Inhalt
- Chili überwintern: so finden Sie das passende Winterquartier
- Lohnt es sich, Chili zu überwintern?
- Die vier Methoden im Vergleich
- Welche Chili kann man überwintern?
- Wann sollte man Chili zum Überwintern reinholen?
- Wie schneidet man Chili zum Überwintern zurück?
- Bei welcher Temperatur überwintert man Chili?
- Chili überwintern: hell oder dunkel?
- Brauchen Chilis im Winter eine Pflanzenlampe?
- Wie oft muss man Chili im Winter gießen?
- Warum verliert meine Chili im Winter die Blätter?
- Was hilft gegen Blattläuse an Chilis im Winterquartier?
- Kann man Chili draußen überwintern?
- Chili nach dem Überwintern: zurückschneiden, umtopfen, düngen
- So wählen Sie das richtige Winterquartier
- Grenzen und typische Fehler
- Checkliste für den Herbst
- Pflanzenlampen für das Chili-Winterquartier
- Häufige Fragen zum Überwintern von Chilis
Chili überwintern: so finden Sie das passende Winterquartier
Welche Methode für Sie passt, hängt vor allem von den Räumen ab, die Sie zur Verfügung haben. Ideal ist ein heller, kühler Raum mit 10 bis 15 °C, etwa ein wenig beheiztes Schlafzimmer, ein Treppenhaus mit großem Fenster oder ein temperierter Wintergarten. Dort legt die Chili eine Ruhephase ein, wächst kaum und kommt mit dem schwachen Winterlicht am Fenster aus. Haben Sie nur die normal beheizte Wohnung, funktioniert das Überwintern auch bei 18 bis 22 °C. Die Pflanze wächst dann weiter und braucht einen sehr hellen Südfensterplatz oder zusätzliches Licht. Ein dunkler Keller ist die Notlösung für robuste Sorten, wenn er konstant kühl bleibt.
Als Faustregel gilt: Warm und dunkel ist die einzige Kombination, die fast immer schiefgeht. Die Pflanze treibt dann lange, dünne und blasse Triebe, sogenannte Geiltriebe, und verbraucht ihre Reserven, ohne sie über Photosynthese ersetzen zu können. Wer also nur einen warmen Raum mit wenig Tageslicht hat, plant von Anfang an eine Pflanzenlampe ein.
Lohnt es sich, Chili zu überwintern?
Ja, Chili zu überwintern ist sinnvoll, weil überwinterte Pflanzen im Folgejahr deutlich früher blühen und oft schon im Frühsommer die ersten reifen Schoten tragen. Eine im Februar ausgesäte Chili braucht dagegen je nach Sorte bis in den August oder September, bis sie Früchte ansetzt.
Der Vorsprung kommt vom bereits verholzten Stamm und vom ausgebildeten Wurzelballen. Die Pflanze muss im Frühjahr nur neue Triebe bilden, nicht den ganzen Strauch neu aufbauen. Besonders lohnt sich das bei langsam wachsenden, spät reifenden Sorten wie Habanero oder Rocoto, die in einer einzigen deutschen Saison oft gar nicht richtig ausreifen. Hinzu kommt, dass Sie eine Pflanze, die sich bei Ihnen bewährt hat, Jahr für Jahr weiterführen können, statt bei samenfesten Sorten neu zu säen oder bei Hybriden auf neues Saatgut angewiesen zu sein. Weniger lohnend ist das Überwintern bei sehr kleinen, schwachen oder stark von Schädlingen befallenen Pflanzen.
Kontrollieren Sie jede Chili schon im September gründlich auf Blattläuse, Spinnmilben und Trauermücken, bevor sie ins Haus kommt. Eine befallene Pflanze steckt im Winterquartier sonst schnell alle anderen Zimmerpflanzen an.
Die vier Methoden im Vergleich
Es gibt vier erprobte Wege, Chilis über den Winter zu bringen. Sie unterscheiden sich in Temperatur, Lichtbedarf und Pflegeaufwand.
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Hell und kühl bei 10 bis 15 °C. Die zurückgeschnittene Pflanze steht an einem hellen Fenster in einem kühlen Raum, im Treppenhaus oder im Wintergarten.
Vorteile: die zuverlässigste Methode, die Pflanze ruht, behält einen Teil der Blätter und ist kaum anfällig für Schädlinge.
Nachteile: ein solcher Raum fehlt in vielen modernen Wohnungen. -
In der warmen Wohnung bei 18 bis 22 °C. Die Chili bleibt im Wohnraum und wird weiter gepflegt wie eine Zimmerpflanze, an einem Südfenster oder unter einer Pflanzenlampe.
Vorteile: kein zusätzlicher Raum nötig, manche Sorten blühen und fruchten sogar weiter.
Nachteile: hoher Lichtbedarf, trockene Heizungsluft fördert Blattläuse und Spinnmilben, die Pflanze braucht regelmäßig Wasser. -
Dunkel im Keller bei 5 bis 10 °C. Die Pflanze wird stark eingekürzt, verliert ihre Blätter und hält in einem kühlen, dunklen Kellerraum eine tiefe Ruhe.
Vorteile: kaum Pflege, kein Platz in der Wohnung nötig.
Nachteile: die riskanteste Methode, empfindliche Sorten wie Habanero gehen oft ein, der Austrieb im Frühjahr dauert länger. -
Im Wintergarten oder beheizten Gewächshaus. Die Chili steht hell und wird über eine Heizung oder einen Frostwächter dauerhaft über 10 °C gehalten.
Vorteile: viel Licht, Platz für große Pflanzen.
Nachteile: ohne verlässliche Heizung droht in kalten Nächten Frost, Heizkosten entstehen über den ganzen Winter.
Ein Balkon scheidet als Winterplatz für Chilis aus, auch mit Vlies oder Zelt. Anders als bei robusteren Kübelpflanzen, die Sie etwa im Ratgeber Zitronenbaum überwintern oder Geranien überwintern finden, reicht ein reiner Frostschutz für Chilis nicht aus, weil schon Dauertemperaturen um 5 °C den Pflanzen schaden.
Welche Chili kann man überwintern?
Grundsätzlich lassen sich alle Chilisorten überwintern, denn alle fünf kultivierten Capsicum-Arten sind mehrjährig. Am einfachsten gelingt es mit Rocoto (Capsicum pubescens) und Aji-Sorten (Capsicum baccatum), am anspruchsvollsten sind Habanero und andere Capsicum chinense.
- Capsicum pubescens, etwa Rocoto: die kältetoleranteste Art, verträgt kühle Quartiere um 8 bis 10 °C gut und wird über Jahre zu einem großen Strauch.
- Capsicum baccatum, etwa Aji Amarillo oder Lemon Drop: robust und wüchsig, kommt mit hellen, kühlen Quartieren gut zurecht.
- Capsicum annuum, etwa Jalapeño, Cayenne, Bullhorn oder Gemüsepaprika: trotz des Namens annuum („einjährig“) mehrjährig. Gut zu überwintern, der Vorsprung fällt bei schnell reifenden Sorten aber kleiner aus.
- Capsicum frutescens, etwa Tabasco und viele Thai-Chilis: kompakte, buschige Pflanzen, die sich auf der Fensterbank gut überwintern lassen.
- Capsicum chinense, etwa Habanero, Scotch Bonnet oder Naga: wärmeliebend, sollte nicht unter 12 bis 15 °C stehen. Für den Keller ungeeignet, am besten hell und mäßig warm oder unter einer Pflanzenlampe.
Wann sollte man Chili zum Überwintern reinholen?
Holen Sie Chilis herein, sobald die Nachttemperaturen regelmäßig unter 10 °C fallen, in den meisten Regionen Deutschlands also zwischen Ende September und Mitte Oktober. Spätestens vor dem ersten Frost müssen alle Pflanzen im Haus sein.
Kälte unter 10 °C schadet Chilis zwar nicht sofort, das Wachstum stockt aber, die Blätter vergilben, und die Pflanze geht geschwächt in den Winter. Noch hängende Schoten reifen bei kühlen Nächten kaum noch nach. Ernten Sie deshalb vor dem Einräumen alle reifen Früchte. Grüne Schoten können Sie ebenfalls verwenden, sie sind meist milder. Bei Pflanzen, die im Beet stehen, graben Sie den Wurzelballen großzügig aus und setzen ihn in einen Topf mit frischer, durchlässiger Erde. Rechnen Sie damit, dass ausgegrabene Pflanzen in den ersten Wochen einige Blätter abwerfen.
Wie schneidet man Chili zum Überwintern zurück?
Schneiden Sie Chilis beim Einräumen auf etwa 10 bis 20 cm über der Erde zurück, sodass ein kurzes Grundgerüst aus Haupttrieb und zwei bis drei Seitentrieben in Y-Form stehen bleibt. An jedem Trieb sollten mindestens zwei Blattknoten erhalten bleiben, aus denen die Pflanze im Frühjahr neu austreibt.
Der Rückschnitt hat mehrere Vorteile. Die Pflanze braucht weniger Platz, verdunstet weniger Wasser und verliert über eine kleinere Blattfläche weniger Energie. Außerdem verschwinden mit den Blättern und Triebspitzen auch die meisten Schädlinge und Eier. Entfernen Sie alle Blüten, Früchte und welken Blätter. Arbeiten Sie mit einer sauberen, scharfen Schere und schneiden Sie wenige Millimeter über einem Blattknoten. Wie stark Sie kürzen, hängt vom Quartier ab: Für einen hellen Platz am Fenster oder unter der Lampe darf die Pflanze etwas mehr Blätter behalten, für den dunklen Keller schneiden Sie radikal bis auf das Grundgerüst zurück, weil die Blätter dort ohnehin abfallen würden.
Wer die Pflanze in der warmen Wohnung unter einer Pflanzenlampe weiterwachsen lässt, kann auch ganz auf den Rückschnitt verzichten und nur auslichten. Dann ist allerdings mehr Licht und mehr Pflege nötig. Den zweiten, formgebenden Schnitt nach dem Überwintern beschreiben wir weiter unten im Abschnitt zum Frühjahr.
Bei welcher Temperatur überwintert man Chili?
Die ideale Überwinterungstemperatur für Chilis liegt bei 10 bis 15 °C an einem hellen Platz. Robuste Arten wie Rocoto vertragen kurzzeitig auch 5 °C, Habaneros sollten dagegen nicht unter 12 °C stehen.
In diesem Temperaturbereich fährt die Pflanze ihren Stoffwechsel herunter und kommt mit dem wenigen Winterlicht aus. Unterhalb von etwa 5 °C drohen Kälteschäden an Wurzeln und Trieben, bei Frost stirbt die Pflanze ab. Oberhalb von 18 °C wächst sie aktiv weiter und braucht entsprechend viel Licht. Achten Sie auch auf die Temperatur der Wurzeln: Ein Topf auf einer kalten Fensterbank aus Stein oder auf dem Kellerboden kühlt deutlich stärker aus als die Raumluft. Eine Holzplatte oder eine Styroporplatte unter dem Topf schafft hier Abhilfe. Zugluft durch Lüften oder eine oft geöffnete Tür ist ebenfalls ein häufiger Grund für Blattfall.
Chilis können ihre Reserven im verholzten Stamm und in den Wurzeln speichern. Von diesen Reserven leben sie im Winter. Je wärmer und dunkler das Quartier ist, desto schneller verbrauchen sie diese Vorräte und desto schwächer starten sie ins Frühjahr.
Chili überwintern: hell oder dunkel?
Hell zu überwintern ist für Chilis klar die bessere Wahl, weil die Pflanze dann einen Teil ihrer Blätter behält und im Frühjahr schneller austreibt. Dunkel funktioniert nur bei robusten Sorten, in einem konstant kühlen Raum mit 5 bis 10 °C und nach einem kräftigen Rückschnitt.
Bei einer dunklen Überwinterung im Keller verliert die Chili ihre Blätter vollständig und lebt nur noch von den Reserven im Holz. Das klappt nur, wenn der Stoffwechsel durch Kälte stark gebremst ist. Wird es im Keller wärmer, etwa durch eine Heizungsanlage, beginnt die Pflanze auszutreiben, bildet ohne Licht aber nur dünne, bleiche Triebe und erschöpft sich. Prüfen Sie die Temperatur deshalb mit einem Min-Max-Thermometer. Gießen Sie im dunklen Quartier nur so viel, dass der Ballen nicht ganz austrocknet. Zeigen sich im Spätwinter erste Triebe, muss die Pflanze sofort an einen hellen Platz.
Brauchen Chilis im Winter eine Pflanzenlampe?
Eine Pflanzenlampe ist immer dann nötig, wenn Chilis warm bei 18 °C oder mehr überwintern oder kein heller Südfensterplatz zur Verfügung steht. Bei kühler Überwinterung an einem hellen Fenster kommen Chilis meist ohne Zusatzlicht aus.
Im Dezember scheint die Sonne in Deutschland oft nur acht Stunden am Tag, und schon wenige Meter vom Fenster entfernt kommt nur ein Bruchteil des Tageslichts an. Für eine warm stehende Chili reicht das nicht. Bewährt haben sich 10 bis 12 Stunden Zusatzlicht pro Tag, am einfachsten über eine Zeitschaltuhr. Für eine oder zwei Pflanzen auf der Fensterbank genügt eine kleine Hängeleuchte wie die Pflanzenlampe FLORABOOSTER 500 mit 6,5 Watt, die Sie in kurzem Abstand direkt über die Pflanze hängen. Haben Sie bereits eine Leuchte mit E27-Fassung, lässt sie sich mit der LED-Pflanzenlampe LUM 505 zur Pflanzenleuchte umrüsten. Stehen mehrere Töpfe nebeneinander im Regal oder auf einer langen Fensterbank, leuchtet eine Lichtleiste wie die FLORABOOSTER 200 in 60 oder 90 cm Länge die ganze Reihe gleichmäßig aus.
Wichtig ist der Abstand: Kleine LED-Leuchten wirken nur auf kurze Distanz, hängen Sie sie deshalb eher 20 bis 40 cm als einen Meter über die Pflanzen. Werden die neuen Triebe lang und dünn, ist das Licht zu schwach oder zu weit entfernt. Hintergründe zu Lichtspektrum und Einsatz finden Sie im Ratgeber Die Vorteile von LED-Pflanzenlampen mit Vollspektrum.
Wie oft muss man Chili im Winter gießen?
Gießen Sie überwinternde Chilis nur, wenn die oberen zwei bis drei Zentimeter der Erde trocken sind. Bei kühler Überwinterung ist das meist alle zwei bis drei Wochen der Fall, in der warmen Wohnung unter einer Pflanzenlampe etwa einmal pro Woche.
Zu viel Wasser ist im Winter die häufigste Todesursache, weil die Wurzeln in nasser, kalter Erde faulen. Prüfen Sie die Feuchtigkeit mit dem Finger oder heben Sie den Topf an: Ein leichter Topf braucht Wasser, ein schwerer nicht. Gießen Sie mit zimmerwarmem Wasser und leeren Sie den Untersetzer nach etwa 15 Minuten aus. Der Ballen sollte trotzdem nie ganz austrocknen, sonst sterben die Feinwurzeln ab. Düngen Sie von Oktober bis Februar gar nicht, die Pflanze kann die Nährstoffe in der Ruhephase nicht verwerten. Mehr zum Thema lesen Sie im Ratgeber Pflanzenbewässerung im Winter.
Warum verliert meine Chili im Winter die Blätter?
Dass eine Chili im Winterquartier Blätter verliert, ist in den ersten Wochen nach dem Einräumen normal und meist eine Reaktion auf weniger Licht und niedrigere Temperaturen. Kritisch wird es erst, wenn auch die Triebe weich, schwarz oder schrumpelig werden.
Die häufigsten Ursachen für starken Blattfall sind Lichtmangel in einem zu warmen Raum, Staunässe, Zugluft und kalte Wurzeln auf einem Steinboden. Gelbe, weiche Blätter deuten eher auf zu viel Wasser hin, vertrocknete, eingerollte Blätter auf Trockenheit oder sehr trockene Heizungsluft. Ob die Pflanze noch lebt, erkennen Sie mit einem einfachen Test: Kratzen Sie mit dem Fingernagel vorsichtig an einem Trieb. Ist das Gewebe darunter grün, ist die Pflanze gesund und treibt im Frühjahr wieder aus, auch wenn sie völlig kahl ist. Braunes, trockenes Gewebe zeigt abgestorbene Triebteile, die Sie im Frühjahr bis ins grüne Holz zurückschneiden.
Stellen Sie eine kahle Chili nicht wärmer, um sie zu „retten“. Wärme ohne mehr Licht regt nur schwachen Austrieb an. Besser: kühl lassen, sparsam gießen und Geduld bis zum Frühjahr haben.
Was hilft gegen Blattläuse an Chilis im Winterquartier?
Gegen Blattläuse an überwinternden Chilis hilft es, die Pflanze kräftig abzubrausen und befallene Triebspitzen abzuschneiden. Bei stärkerem Befall sprühen Sie im Abstand von einigen Tagen mehrmals eine Lösung aus Schmierseife oder Kaliseife und Wasser, auch auf die Blattunterseiten.
Blattläuse vermehren sich im warmen Winterquartier besonders schnell, weil dort keine natürlichen Feinde wie Marienkäfer oder Florfliegen unterwegs sind. Kontrollieren Sie Triebspitzen und Blattunterseiten deshalb alle ein bis zwei Wochen. Klebrige Blätter sind ein typisches Zeichen für Läuse, feine Gespinste und hell gesprenkelte Blätter deuten auf Spinnmilben hin, die trockene Heizungsluft lieben. Gegen Spinnmilben hilft es, die Luftfeuchtigkeit zu erhöhen und die Pflanze regelmäßig zu besprühen. Kleine schwarze Fliegen über der Erde sind meist Trauermücken, deren Larven in dauerfeuchter Erde leben. Hier hilft es vor allem, weniger zu gießen. Gelbtafeln zeigen Ihnen frühzeitig, ob fliegende Schädlinge unterwegs sind.
Kann man Chili draußen überwintern?
Nein, in Deutschland können Chilis nicht draußen überwintern, weil keine Capsicum-Art Frost verträgt. Schon längere Phasen um 5 °C schädigen die Pflanzen, bei Temperaturen unter 0 °C erfrieren Triebe und Wurzeln.
Auch die vergleichsweise kältetolerante Rocoto übersteht einen deutschen Winter im Freien nicht, ebenso wenig in einem unbeheizten Gewächshaus. Dort fallen die Temperaturen in klaren Nächten fast genauso tief wie draußen. Möglich ist die Überwinterung im Gewächshaus nur mit einer zuverlässigen Heizung, die die Temperatur dauerhaft über 10 °C hält. Für Chilis ist das bei den Heizkosten über einen ganzen Winter selten wirtschaftlich, es sei denn, das Gewächshaus wird ohnehin für andere Pflanzen temperiert.
Chili nach dem Überwintern: zurückschneiden, umtopfen, düngen
Ab Ende Februar stellen Sie überwinterte Chilis heller und wärmer, schneiden abgestorbene Triebe bis ins grüne Holz zurück und topfen die Pflanze in frische Erde um. Gedüngt wird erst, wenn sich kräftige neue Blätter zeigen, meist ab März oder April.
Der Schnitt nach dem Überwintern ist wichtig, weil im Winter gebildete, lange und dünne Triebe im Sommer kaum tragen. Kürzen Sie solche Triebe bis knapp über einen kräftigen Blattknoten. Beim Umtopfen schütteln Sie alte Erde vorsichtig ab, entfernen braune, matschige Wurzeln und wählen einen Topf, der höchstens einige Zentimeter größer ist als der alte. Gießen Sie danach schrittweise mehr, sobald die Pflanze austreibt. An einem warmen, hellen Fensterplatz oder unter einer Pflanzenlampe zeigt sich der neue Austrieb meist innerhalb weniger Wochen. Ins Freie dürfen Chilis erst nach den Eisheiligen Mitte Mai, wenn die Nächte nicht mehr unter 10 °C fallen. Gewöhnen Sie die Pflanze vorher eine Woche lang stundenweise im Halbschatten an Sonne und Wind, sonst verbrennen die im Haus gewachsenen Blätter.
So wählen Sie das richtige Winterquartier
Drei Fragen helfen Ihnen, das passende Winterquartier für Ihre Chilis zu finden:
- Welche Temperatur hat der Raum im Winter? 10 bis 15 °C sind ideal für die klassische Ruhephase. Ist es wärmer, planen Sie mehr Licht ein, ist es kälter, kommen nur robuste Arten wie Rocoto und Aji infrage.
- Wie viel Licht gibt es am Platz? Ein Süd- oder Westfenster direkt an der Scheibe ist am besten. Steht die Pflanze weiter im Raum oder an einem Nordfenster, braucht sie eine Pflanzenlampe.
- Wie viele Pflanzen sollen überwintern? Für einzelne Töpfe reicht eine Hängeleuchte über der Fensterbank. Für mehrere Pflanzen in einer Reihe oder in einem Regal eignen sich Lichtleisten, für eine größere Sammlung eine leistungsstarke Flächenleuchte.
Wenn Sie die Wahl haben, ist hell und kühl immer die bessere Lösung als warm mit Lampe, weil die Pflanze weniger Wasser braucht, seltener von Schädlingen befallen wird und kaum Strom kostet. Die warme Variante mit Pflanzenlampe ist dafür die richtige Wahl, wenn Sie Ihre Chilis im Winter weiterwachsen oder sogar weiter ernten möchten.
Grenzen und typische Fehler
Überwintern lohnt sich nicht bei jeder Pflanze. Sehr alte, stark verholzte Chilis tragen nach einigen Jahren weniger, und stark befallene Pflanzen sind ein Risiko für alle anderen Pflanzen im Haus. Diese Fehler führen am häufigsten zum Verlust:
- Zu spät hereingeholt: Nach den ersten kalten Nächten unter 5 °C starten die Pflanzen geschwächt in den Winter.
- Zu viel gegossen: Nasse, kalte Erde lässt die Wurzeln faulen, das ist die häufigste Todesursache im Winterquartier.
- Warm und dunkel: Lange, bleiche Triebe zehren die Pflanze aus. Entweder kühler stellen oder mehr Licht geben.
- Nicht kontrolliert: Blattläuse und Spinnmilben werden im Winter oft erst bemerkt, wenn die Pflanze stark befallen ist.
- Im Winter gedüngt: Die Pflanze kann die Nährstoffe nicht verwerten, Salze reichern sich in der Erde an.
- Zu früh ins Freie: Wer vor Mitte Mai auslagert oder die Pflanze nicht abhärtet, riskiert Kälte- und Sonnenschäden.
Checkliste für den Herbst
- ✓Ab Anfang September nicht mehr düngen und reife Schoten laufend ernten
- ✓Pflanzen im September gründlich auf Schädlinge kontrollieren und bei Bedarf behandeln
- ✓Chilis hereinholen, sobald die Nächte regelmäßig unter 10 °C fallen
- ✓Alle Früchte, Blüten und welken Blätter entfernen
- ✓Auf 10 bis 20 cm mit Grundgerüst in Y-Form zurückschneiden
- ✓Winterquartier wählen: hell bei 10 bis 15 °C, warm mit Pflanzenlampe oder für robuste Sorten dunkel bei 5 bis 10 °C
- ✓Topf auf eine isolierende Unterlage stellen, Zugluft vermeiden
- ✓Nur gießen, wenn die oberen Zentimeter der Erde trocken sind
- ✓Alle ein bis zwei Wochen auf Läuse, Spinnmilben und Trauermücken prüfen
Pflanzenlampen für das Chili-Winterquartier
Welche Lampe passt, hängt von der Zahl der Pflanzen und vom Platz ab: einzelne Töpfe am Fenster, eine Reihe auf Fensterbank oder Regal oder eine größere Chilisammlung im Wintergarten.
Häufige Fragen zum Überwintern von Chilis
Kurze Antworten auf die Fragen, die beim Überwintern von Chilis am häufigsten gestellt werden.
Wie oft kann man eine Chili überwintern?
Chilis lassen sich mehrere Jahre hintereinander überwintern, in der Praxis meist drei bis fünf Jahre, robuste Arten wie Rocoto auch deutlich länger. Mit zunehmendem Alter verholzen die Pflanzen stärker, ein kräftiger Rückschnitt im Frühjahr hält sie aber lange ertragreich.
Muss man Chili im Winter düngen?
Nein, von Oktober bis Februar wird nicht gedüngt, weil die Pflanze in der Ruhephase kaum Nährstoffe aufnimmt. Nur Chilis, die warm unter einer Pflanzenlampe weiterwachsen und fruchten, erhalten etwa alle vier Wochen eine schwache Dosis Flüssigdünger.
Kann man Chili-Stecklinge überwintern?
Ja, im Spätsommer geschnittene Kopfstecklinge von 8 bis 10 cm Länge bewurzeln in feuchter Anzuchterde bei etwa 22 bis 25 °C innerhalb weniger Wochen. Die jungen Pflanzen überwintern Sie hell und warm, idealerweise unter einer Pflanzenlampe, weil sie noch keine Reserven im Holz haben.
Muss man überwinterte Chilis umtopfen?
Ja, topfen Sie Chilis nach dem Überwintern im Februar oder März in frische, durchlässige Erde um, wenn sich die ersten neuen Triebe zeigen. Ein nur wenig größerer Topf reicht, zu viel Erde bleibt lange nass und fördert Wurzelfäule.
Mit einem hellen, kühlen Winterplatz oder dem richtigen Zusatzlicht kommen Ihre Chilis gesund durch den Winter und tragen im nächsten Sommer deutlich früher Schoten als neu ausgesäte Pflanzen.
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